Bogenschießen als Therapie
Allgemein

Bogenschießen als Therapie, bei Depressionen

Das therapeutische Bogenschießen, ist eine der Anwendungen, in der Reha, die mir nicht nur gefallen hat, sondern mich auch am meisten überrascht hat.

 

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Aber worum geht es da genau?

Beim therapeutischen Bogenschießen geht es um vieles nur nicht ums zielen.

Das Treffen des Ziels, ist dabei komplett irrelevant, es gibt überhaupt nur ein Ziel, um den Pfeil abzubremsen.

Klingt verrückt, oder?

Das, worum es beim therapeutischen Bogenschießen hauptsächlich geht, ist in sich hineinzuhorchen und für den Moment komplett bei sich zu sein.

Oder auch sich zu fragen, warum man nicht bei sich sein kann.

 
Ablauf:

Man tritt, zu dritt auf das Feld, verbeugt sich vor dem Ziel und nimmt dann seine Position ein.

Jeder hat drei Pfeile und verschießt diese, in seinem eigenen Tempo, ohne auf die anderen zu achten.

Wenn alle ihre Pfeile verschossen haben, stellen sie sich wieder in einer Linie auf, verbeugen sich nochmals vor dem Ziel und lassen die nächste Gruppe auf das Feld.

Während der ganzen Zeit, geht es nicht darum das Ziel zu treffen, sondern sich auf sich selbst zu konzentrieren.

 
Die Aufgabe:

Es geht darum sich einmal nicht darauf zu konzentrieren etwas zu schaffen oder zu treffen, sondern in sich hineinzuhorchen.

Mal, nur bei sich sein und sich zu fragen, ob man das überhaupt kann.

In sich hineinzuhorchen; wie fühle ich mich gerade?

Wie fühlt es sich an, wenn ich das Ziel nicht treffe?

Bin ich dann sauer, enttäuscht, gerate ich wieder in Leistungsdruck?

Und wenn ja, warum?

Will ich unbedingt treffen und wenn ja warum?

Kann ich den Wettkampfgedanken, den Wunsch immer Leisten zu können ablegen und einfach nur schießen, und wenn nicht, warum?

Werde ich schneller?

Wie fühle ich mich, wenn mein Nebenmann länger braucht, vielleicht immer wieder was fallen lässt?

Stört mich das, werde ich gereizt und wenn ja warum?

Ihr seht, viele Fragen.

Und die große Frage, ob man das kann.

Habe ich die Fähigkeit, mich so sehr auf mich zu konzentrieren, mir die Fragen zu stellen und vielleicht sogar beantworten zu können?

 
Ich hätte nicht gedacht, dass man dabei soviel über sich erfährt.

Es ist verrückt, was man dabei alles über einen herausfindet und auch komplett faszinierend.

Aber was genau habe ich da eigentlich über mich erfahren?

Das Ziel zu verfehlen, hat mich sauer und enttäuscht.

Die Frage ist warum.

Warum setzte ich mich sosehr unter Druck zu treffen und „gut“ zu sein, warum ist mir diese Leistung so wichtig?

Dass eine so wichtige Frage, beim Bogenschießen aufkommt, ist überraschend.

Jetzt geht es darum sich ernsthaft mit einem selbst auseinander zu setzten, auch wenn es unangenehm ist und die Antwort einem nicht gefällt.

Auch auf meine Mitschützen, neben mir habe ich reagiert.

Ich bin genervt und ungeduldig, wenn sie so viel langsamer sind als ich.

Auch wenn ich mir das nicht anmerken lasse, bin ich gereizt.

Aber warum stört mich das so sehr?

Antworten auf die Frage zu suchen, ist echt unangenehm.

Auch frage ich mich, warum ich überhaupt so schnell bin und es mir so schwer fällt, mein Tempo runterzufahren.

Das ist eine so elementare und wichtige Frage, und um die Antwort darauf zu finden, muss ich teilweise tief in mir graben.

Es sind richtige „Baustellen“ aufgekommen, die zu beseitigen wichtig sind, damit es mir besser geht.

Mich damit auseinander zu setzten ist echt hart, weil ich Dinge hinterfragen muss, die ich mein Leben lang geglaubt habe.

Therapie, kann einem ja nur Dinge aufzeigen, aber beseitigen muss man sie selber.

Bogenschießen ist aber auf jeden Fall eine interessante Möglichkeit, sich mit einem selbst auseinanderzusetzen.

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