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Die leere Matroschka

Es ist jetzt schon ein bisschen Zeit vergangen seitdem ich angefangen habe Antidepressiva zu nehmen und mal abgesehen von den Nebenwirkungen merke ich auch noch andere Veränderungen.

Davor hatte ich so viele Gedanken und Emotionen, dass sie einfach übergelaufen sind, ich hab so viel gleichzeitig gefühlt, dass ich es gar nicht geschafft habe alles zu verarbeiten, mein Kopf war so voll, dass ich nicht mehr denken konnte.

Ständig bin ich in Tränen ausgebrochen, hab die ganze Zeit Panik gekriegt, meine Gedanken gingen so schnell, dass ich sie gar nicht fassen konnte und gleichzeitig hatte ich das Gefühl das sie feststecken, es ist wirklich schwer zu erklären aber ich war wie ein auslaufendes Fass.

Meine Gedanken und Gefühle waren einfach zu viel für meinen Körper, sodass sie ständig raus geschwappt sind und es mir auch unmöglich gemacht haben zu denken.

Es war einfach alles viel zu viel.

Jetzt mit den Medikamenten fühle ich mich nicht besser aber anders.

Jetzt wo all diese Gedanken und Emotionen die einfach zu viel waren abgebt sind kann ich zwar endlich wieder etwas klarer denken, aber mir wird auch zum ersten Mal bewusst wie leer ich eigentlich bin.

Ich fühle mich hohl, wie ein leerer Raum, wenn man in mich hereinruft, hört man nur noch ein leises Echo.

Alles was mich ausgemacht hat, all meine Interessen, meine Leidenschaften oder einfach nur mein Charakter sind weg, mich gibt es nicht mehr.

Ich bin kein richtiger Mensch mehr, bin kein Individuum mehr.

Ich bin nur noch eine hohle Hülle aus Haut, Fleisch und Knochen aber da drinnen befindet sich niemand mehr.

Ich bin nicht mehr Ich, ich bin niemand mehr, ich bin nur ein leerer Behälter.

Ich Lebe nicht mehr ich existiere einfach nur.

Ich weiß nicht, was besser ist, das emotionale Wrack das ich vorher war oder die leere Matroschka die ich jetzt bin.

Dabei versuche ich sosehr irgendetwas für mich zu finden, was mich wieder zu mir macht.

Ich gebe zu, dass ich für vieles keine Kraft mehr finde und es schwer ist mich aufzuraffen, um wirklich produktiv zu sein, aber ich versuche wenigstens meinen Tag mit irgendwas zu füllen, was mir Spaß machen könnte.

Ich versuche Dinge zu tun, die mir Spaß machen, versuche die Zeit zu nutzen, um endlich wieder zu lesen, zu malen und Serien zu streamen, doch während ich all das tue fühle ich einfach nichts mehr.

Ich lese die gleiche Seite immer und immer wieder, sehe mir Serien an ohne was mitzukriegen und beim Malen bin ich schon nach ein paar Minuten genervt.

Nichts was ich tue löst irgendeine Resonanz in mir aus, nichts davon lässt mich irgendetwas fühlen.

An manchen Tagen, versuche ich mir was Gutes zu tun.

Wenn ich zum Arzt gehe, hole ich mir danach einen Cappuccino und wenn ich schon da bin, dann hole ich mir einfach einen Kuchen.

Essen und trinken war früher so ein großer Teil meines Lebens, hat mir so viel Genuss gebracht.

Den Kuchen kaufe ich mir, um mir was Gutes zu tun und dann liegt er nur rum, ich esse ihn nicht, weil ich ihn essen möchte, sondern weil ich ihn nicht wegschmeißen will.

Ich fühle den Hunger aber ich habe keinen Appetit mehr, ich esse und trinke aber ich schmecke es nicht mehr, oder besser gesagt ich schmecke es zwar aber der Geschmack löst nichts mehr in mir aus.

Ich kann nichts mehr mit mir anfangen, schon kurz nachdem aufstehen will ich eigentlich wieder ins Bett gehen, der Tag hat mir einfach nichts mehr zu bieten und das geht jeden einzelnen Tag so.

Einerseits spüre ich wie die Langeweile, Lethargie und auch Verzweiflung wächst, anderseits merke ich wie abgestumpft und taub ich innerlich eigentlich bin, es ergibt keinen Sinn.

Der Weg aus dem Treibsand erweist sich schwieriger als gedacht.

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