Allgemein,  Treibsandimkopf

Ein langer Weg…

Ich bin emotional ausgelaugt, der erst Termin bei meiner Psychiaterin war anstrengend und auch komisch.

Wie antwortet man auf die Frage, warum man da ist?

Wie erklärt man so was, ohne wie ein irrer Zombie zu klingen?

Es war schon ein bisschen unangenehm darüber zu reden und zu versuchen alles was man empfindet in zusammenhängende Sätze zu packen.

Zum Gluck habe ich mich bei der Therapeutin eigentlich ganz wohlgefühlt, verständnisvolles nicken gibt einem dann doch das Gefühl nicht ganz crazy zu sein.

Aber bei den Fragen danach habe ich schon die Augen gerollt, wie erklärt man wie die Kindheit war, und warum ist die Familiengeschichte so wichtig?

Bei den Fragen nach meiner Beziehung zu meinen Eltern und meinen Geschwistern habe ich mich wirklich wie im Film gefühlt.

Wie war ihre Kindheit? Wie ist die Beziehung zu ihren Eltern?

Da musste ich mich schon zusammen reißen nicht mit den Augen zu rollen.

Eigentlich hat sie mir nur gesagt was ich schon weiß, trotzdem war es, es ausgesprochen zu hören schon ein Schock: schwere Depression.

Der Therapieansatz, neben einer medikamentösen Behandlung eine stationäre Therapie.

Da habe ich mich sofort gegen gewehrt, vielleicht ist es die bessere Behandlung aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ich mich in dem Umfeld erholen kann.

Ein Kompromiss, war dann eine Tagesklinik, morgens hin, Nachmittags wieder zurück, damit fühle ich mich zwar immer noch nicht wirklich wohl aber es ist wohl die einzige Möglichkeit an Hilfe zu kommen.

Die Psychiaterin hat mir nur nochmal bestätigt das es, anders an einen Therapieplatz zu kommen, fast unmöglich ist, bei Ihr hatte ich nur einen Ersttermin um an eine Diagnose zu kommen, einen Platz kann Sie mir auch nicht anbieten.

Bei der Liste, die ich dann mitbekommen habe, wurde es mir schon wieder zu viel.

Wieder anrufe und nach freien Plätzen fragen, das kenne ich ja schon.

Wer hätte gedacht das es so schwer ist Hilfe zu bekommen?

Ich wusste insgeheim ja schon, das das nicht von heute auf morgen geht, aber trotzdem kriege ich angst bei dem Gedanken, solange auf der Arbeit zu fehlen, wie erkläre ich sowas, erkläre ich es überhaupt?

Wie lange habe ich den Job dann überhaupt noch?

Noch in der Probezeit und dann schon länger krank, das macht keiner lange mit.

Aber habe ich denn eine andere Wahl?

Auch die Ärztin hat mir ja gesagt, einen neuen Job findet man immer, aber stimmt das auch?

Ich weiß sie hat recht, dass es jetzt sein muss, aber besser fühlt es sich dadurch nicht an und in mir nagt der Zweifel.

Was ist, wenn ich danach keinen anderen Job mehr finde, der mir gefällt, was wenn das meine einzige Chance ist, was wenn ich wieder in die alte Branche muss, aus der ich gerade erst raus bin?

Ich weiß das ergibt keinen Sinn, aber ganz abstellen kann ich dieses Gefühl nicht.

Danach geht es ganz schnell, noch am selben Tag bekomme ich einen Termin bei Ihr in der anderen Praxis, der Gemeinschaftspraxis, um die Medikamente einstellen zu lassen und mit der bitte die Tageskliniken anzurufen bin ich dann schon raus.

Im Auto, dreht mein Kopf wieder durch, ich muss erstmal ein paar Minuten warten bevor ich überhaupt losfahren kann, es ist mir alles zu viel.

Kaum bin ich dann zu Hause ruf ich alle Kliniken auf der Liste an und fühle mich wie in einem Déjá-vü, alle Plätze sind belegt, die Wartelisten lang, das gleiche Bild wie bei meiner Suche nach einem Therapieplatz.

Das kann doch echt nicht sein!

Und mein Kopf dreht wieder durch, mein Herz pocht wie verrückt.

Ich habe noch eine Liste mit allen Psychotherapeuten in der Stadt bekommen, Tage lang rufe ich alle nacheinander an, alles umsonst.

Ich bin gestresst und verängstigt, mit jeder Absage werde ich unruhiger, mit jedem Tag fühle kommen mir mehr Zweifel.

Der Schritt Hilfe zu suchen, hat mich so viel Überwindung gekostet und jetzt werden mir überall Steine in den Weg gelegt.

Ich fühle mich nicht ernst genommen.

Ich stecke fest.

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